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Kulturen politischer Entscheidung in der modernen Demokratie

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Zeithorizonte demokratischer Entscheidungen in Deutschland und in Polen ca. 1980–2004

Teilprojekt Judith Grosch

„No future“-Bewegung, Klimapolitik und der beginnende Zusammenbruch des Kommunismus – die 1980er-Jahre waren in Deutschland und Polen gleichermaßen gekennzeichnet durch die Entstehung spezifischer Zeithorizonte und Zukunftsvorstellungen, die politische Entscheidungskulturen maßgeblich beeinflussten. Gleichzeitig leitete das Ende des Kommunismus sowohl im neu vereinten Deutschland als auch in Polen eine Neustrukturierung der Verfassungskulturen und der politischen Tempi ein. Das Projekt geht der Frage nach, welche Zeithorizonte sowohl rück- als auch vorwärts blickend die politischen Entscheidungen in Deutschland wie in Polen der 1980er und 1990er Jahre strukturierten und welche politischen Eigenzeiten sich daraus ergaben.

Während Westdeutschland nach der Vereinigung stärker dem Kontinuitätsdenken an die alt-bundesrepublikanische „Erfolgsgeschichte“ verhaftet war, legte man in Ostdeutsch­land verstärkte Beschleuni­gungs­bestrebungen an den Tag, um die gesamtdeutsche Vereinigung möglichst rasch voranzutreiben. Für Polen lässt sich parallel ein Transforma­tions­zustand feststellen, der bereits vor 1989 begann und der seit 1990 durch das allgegenwärtige Stichwort der „Beschleunigung“ als politischem Kampfbegriff und der viel geforderten „Rückkehr nach Europa“ eine besondere Dynamik hervorbrachte.

Eine dreifach vergleichende Perspektive zwischen DDR, Bundesrepublik Deutschland und Polen verspricht Erkenntnisse über die Konstruktion von Zeithorizonten und deren spezifische Rolle im Rahmen politischer Entscheidungen. Das Projekt ermöglicht daher sowohl tiefere Einblicke in die deutsche und polnische Verfassungs- und Entscheidungskultur der 1980er- und 1990er-Jahre als auch Erkenntnisse über mögliche internationale Verflechtungen, die über die Ost-West-Grenzen im späten 20. Jahrhundert hinausgingen.